Wissenswertes

Konfliktschlichtung an Schulen erfährt zunehmende Akzeptanz

Konflikte gehören zum Alltag, auch in Schulen. Doch vor allem jüngeren Schülern fällt es oft schwer, alleine eine Lösung für ihre Auseinandersetzungen zu finden. Auch der Eingriff der Lehrer wird nicht immer begrüßt, da dies nicht als Hilfe sondern vielmehr als unerwünschte Einmischung hingenommen wird. In letzter Zeit erfährt eine relativ neue Methode der Konfliktlösung zunehmende Akzeptanz: die Schlichtung durch andere Schüler.

Was bedeutet Schlichtung?
Unter Schlichtung versteht man die Konfliktlösung mit Hilfe einer neutralen Person - hier Schüler und Schülerinnen - die in einer längeren Ausbildungsphase auf diese Tätigkeit vorbereitet werden.
Voraussetzung für eine funktionierende Schlichtung ist die allgemeine Akzeptanz dieser Einrichtung bei Schülern, Lehrern und nicht zuletzt bei den Eltern, die über die Möglichkeit der Schlichtung informiert werden.
An den meisten Schulen, die solch eine Konfliktlösung anbieten, können sich Schüler bereits ab der achten Klasse für die Ausbildung zum Schlichter, auch Mediator genannt, anmelden. Das Trainingsprogramm dauert in der Regel ein Jahr und findet wöchentlich während des Unterrichts statt, von dem die Schlichter für diese Zeit befreit werden. Während des Jahres bis zu Ihrer Einsetzung sollen die Mediatoren für Konflikte sensibilisiert werden, Toleranz erproben, Selbstkontrolle üben und ihre Kommunikationsfähigkeit steigern. Die Schüler lernen auf diesem Wege selbstständig ein Schlichtungsgespräch zu moderieren und auf die Einhaltung der festgelegten Regeln zu achten. Ihre Rolle in einem Konflikt darf aber nicht die Findung einer Lösung sein, sondern nur die Begleitung auf dem Weg zu diesem Ziel; sie sind also nicht für den Inhalt, sondern ausschließlich für den Ablauf einer Schlichtung verantwortlich. Neben ihrer Schlichtertätigkeit werden die Schüler zusätzlich von ihren Ausbildern betreut, damit sie mit den Problemen, die sie täglich erfahren, umgehen können.

Wirksamkeit der Schlichtung
Die Oldenburger Psychologen Ulrich Mees und Annette Schmitt haben an drei niedersächsischen Schulen den Erfolg eines Konfliktschlichtertrainings untersucht. Es zeigte sich, dass ein Drittel der befragten SchülerInnen von acht Hauptschulklassen der Stufen 6 bis 9 bereits mindestens ein Mal das Schlichtungsangebot wahrgenommen haben. Die Hauptgründe für das Aufsuchen der Mediatoren sind Beleidigungen, körperliche Konflikte sowie indirekte Aggressionen wie Mobbing und die Verbreitung von Gerüchten. Die Schlichter können diese Konfliktsituationen besser nachvollziehen als Lehrer und somit rascher einen Kompromiss zwischen den Parteien herbeiführen. Die Ergebnisse sprechen für sich: etwa ein Drittel der Auseinandersetzungen konnte über die Schlichtung gelöst werden
und die Zahl der Gewalttaten an den drei untersuchten Schulen nahm infolge des Schlichtungsangebots deutlich ab.

Auch die Ergebnisse anderer Schulen zeigen, dass alle Beteiligten von solch einem Programm profitieren. Die oft überforderten Lehrkräfte werden entlastet und die Schlichter selbst entwickeln durch die verantwortungsvolle Tätigkeit die sie ausführen Selbstbewusstsein und Einfühlungsvermögen sowie eine höhere Konflikt- und Teamfähigkeit auch im außerschulischen Bereich.

Mehr dazu unter:
www.learn-line.nrw.de/angebote/gesundids/medio/praxis/streit/strei_08.html
www.sich-vertragen.de



(17.09.2003)


Zurück