Wissenswertes

Start frei für Ganztagsschulen

Am Montag, dem 8. September, ist das bisher umfangreichste bundesweite Schulprogramm ins Rollen gebracht worden. "PISA und andere internationale Vergleiche haben uns vor Augen geführt, dass wir unser Bildungssystem grundlegend reformieren müssen", so Bundesbildungsministerin Bulmahn anlässlich der Startkonferenz zum Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreung" in Berlin.
Ziel des Ganztagsschulen-Vorhabens ist die Überwindung der sozialen Unterschiede, die bisher oft über den schulischen und beruflichen Werdegang entschieden. So sollen sich Ganztagsschulen die individuelle Förderung der Schüler - sowohl der leistungsschwachen als auch der leistungsstarken - zum Hauptanliegen machen. Ganztagsschulen sollen sich dabei von dem traditionellen Bild von Schulen emanzipieren und sich als einen "Ort für eine neue Kultur des Miteinanders für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte" begreifen, erklärt Bulmahn.
Ein einheitliches Ganztagsschulkonzept wird dabei aber nicht angestrebt. Zu unterschiedlich fallen die Vorbedingungen und die Bedürfnisse der Eltern und Schüler aus. Bulmahn plädiert vielmehr für eine Selbstständigkeit der Schulen bei der Entwicklung der pädagogischen Konzepte für einen schulischen Ganztagsbetrieb.

Der Auf- und Ausbau der Ganztagsschulen wird von der Bundesregierung mit dem Investitionsprogramm "Zukunft Bildung und Betreuung" gefördert. Die vier Milliarden Euro für das Projekt fließen zunächst in die Länder, die das Geld schließlich den Bedürfnissen entsprechend in Gebäude und Ausstattung investieren. Dabei sind es vor allem die Lehrer und Lehrerinnen, die in den nächsten Jahren hart an dem Reformprozess arbeiten und vor allem in vielen Bereichen umdenken müssen. In Zukunft kommt verstärkt die Rolle des Moderators auf sie zu: nicht nur Wissensvermittlung, sondern vor allem Organisation, Unterstützung und Beratung der Schüler wird nötig sein, um ein angenehmes und konstruktives Miteinander an Ganztagsschulen zu gewährleisten.

Das Konzept der Ganztagsschulen sieht sich oft mit der Kritik konfrontiert, Schüler hätten infolge des schulischen Ganztagsbetriebs zu wenig Zeit für ihre Familien und außerschulische Aktivitäten. Bulmahn sieht darin jedoch vielmehr eine neue Chance: die Kinder sollen eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit erlernen. Aus diesem Grund "müssen Ganztagsschulen auch Angebote bereithalten, die das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen anregen und darüber hinaus genügend Freiraum für eigene Aktivitäten und Interessen lassen", erklärt die Ministerin.



(09.09.2003)


Zurück